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Minister Seehofer steht unter Handlungsdruck. Die Verbraucher- und Gesundheitsminister der Länder, Ernährungswissenschaftler und Verbraucherverbände fordern seit langem und immer eindringlicher Maßnahmen gegen den ungebremsten Trend zum Übergewicht. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist betroffen. Besonders dramatisch ist die Entwicklung bei Kindern Und Jugendlichen. Schon ca. 1,9 Millionen von ihnen sind übergewichtig, rund 800.000 sogar fettleibig.
"Die genannten Ziele und Absichtserklärungen klingen zwar gut, schlagen sich aber nicht in konkretem Handeln nieder" kritisiert die Sprecherin für Ernährungspolitik, Ulrike Höfken, den neu vorgelegten Nationalen Aktionsplan zur Prävention von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängende Krankheiten. Hier kann bestenfalls von einem Alibipapier die Rede sein.
Der Plan ist insgesamt von einer großen Unverbindlichkeit gekennzeichnet. Es fehlen staatliche Aktivitäten wie etwa konkrete Gesetzesvorhaben, z.B. Vorschläge für eine aussagekräftige, verständliche Nährwertkennzeichnung mit farblicher Gestaltung, mit Symbolen und einer einheitlichen verbindlich vorgegebenen Bezugsgröße. Damit könnten die Verbraucherinnen und Verbraucher sofort sehen, ob hier zu viel Zucker oder Kalorien im Produkt sind.
Die neuen amtlichen Parallelstrukturen stehen in Konkurrenz zu den gesellschaftlichen Akteuren der ersten Stunde. Und die Werbe- und Ernährungswirtschaft wird ebenso wenig in die Pflicht genommen wie Länder nicht einbezogen wurden. Für Risikogruppen wie finanzschwache und sozial benachteiligte Menschen oder Migrantinnen und Migranten fehlen innovative Angebote.
Wir Grünen zeigen, wie ein neuer Ordnungsrahmen für eine Ernährung im Gleichgewicht aussehen sollte. Wir fordern eine Ampelkennzeichnung, Werbeverbote für "Kinderlebensmittel", neue Strukturen für eine gesunde Ernährung und gesunde Ernährungs- und Bewegungsangebote an Schulen und Kitas. Die Bundesregierung sollte sich der ernährungspolitischen Herausforderung endlich ernsthaft stellen und ihre fahrlässige Haltung gegenüber der Gesundheit vor allem junger Menschen aufgeben.